Mein Nachbar ist ein Mann Mitte vierzig. Er lebt zusammen mit seiner Mutter in ihrer Wohnung. Sie kümmert sich um ihn, wäscht seine Kleidung, kocht und umsorgt ihn wie ein kleines Kind oder jemanden, der völlig hilflos ist.
Er ist immer satt, sauber gekleidet und versorgt. Zu Hause warten auf ihn Mamas hausgemachte Piroggen, Kompott und köstliche Suppen. Er arbeitet als Freelancer von zu Hause aus und verlässt seine Wohnung kaum. Obwohl er noch nie verheiratet war, hofft er immer noch darauf, die richtige Frau zu finden und eine ernsthafte Beziehung aufzubauen.
Seit vielen Jahren sucht er seine Seelenverwandte. Wir sind bereits seit über sechzehn Jahren Nachbarn, und in all dieser Zeit hat er versucht, eine Partnerin zu finden. Doch keine Frau blieb länger als einen Monat bei ihm. Die meisten seiner „Beziehungen“ existierten nur online.
Warum es bei ihm nie klappt, bleibt ein Rätsel. Vielleicht liegt es an seinen hohen Ansprüchen an die zukünftige Partnerin. Seine Vorstellung sieht so aus: Die Frau darf keine Kinder haben, soll attraktiv sein – mit schönem Gesicht und schlanker Figur. Sie sollte nicht älter als 35 Jahre sein, am besten aus einer gebildeten Familie stammen und einen Hochschulabschluss besitzen. Außerdem sollte sie eine eigene Wohnung haben, eine perfekte Hausfrau sein, Ordnung halten und gut kochen können.
Darüber hinaus erwartet er, dass sie finanziell unabhängig ist. Ihr Einkommen sollte mindestens seinem entsprechen, besser noch höher sein. Und natürlich muss sie seine Mutter lieben und respektieren.
Mein Nachbar beschwert sich oft über sein Leben und erzählt mir Geschichten über Frauen, die er auf Dating-Websites kennengelernt hat. Meist handelt es sich um alleinerziehende Mütter, und das ist für ihn ein sofortiges Ausschlusskriterium. Er möchte sein Geld nicht für fremde Kinder ausgeben – sie würden für ihn niemals „eigene“ werden.
Fast alle Frauen, die er online trifft, verdienen weniger als er – und er selbst kommt kaum über vierzigtausend Rubel im Monat. Viele dieser Frauen besitzen keine eigene Wohnung, und er will niemanden in seine Wohnung einladen, weil er findet, dass ein junges Paar getrennt wohnen sollte.
Außerdem stört ihn häufig das äußere Erscheinungsbild der Frauen – sie seien „zu füllig“ oder einfach „nicht sein Typ“. Doch die Frauen, die seinen Vorstellungen entsprechen – gebildet, attraktiv, finanziell unabhängig, kinderlos und mit eigener Wohnung – zeigen keinerlei Interesse an ihm. Sobald er von seinem Leben erzählt, brechen sie den Kontakt ab. Über persönliche Treffen muss man da gar nicht erst reden.
So vergehen die Jahre – mein armer Nachbar lebt weiter mit seiner alten Mutter zusammen, allein, ohne Partnerin, aber mit unerreichbaren Ansprüchen.
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