Schweden ist seit langem weltweit nicht nur für seine natürliche Schönheit und seinen Lebensstandard bekannt, sondern auch für die beeindruckende Langlebigkeit seiner Bevölkerung. Als ich nach Stockholm reiste, setzte ich mir das Ziel, herauszufinden, was den Menschen hilft, ihre Gesundheit und Vitalität über so viele Jahre hinweg zu bewahren.

Es stellt sich heraus, dass es hier keine komplizierten Geheimnisse gibt – alles hängt von ein paar einfachen, aber grundlegenden Gewohnheiten ab, die die Schweden nicht aus Mode oder Druck befolgen, sondern weil es ein natürlicher Teil ihrer Kultur und Lebensweise ist.

Nachfolgend finden Sie vier Schlüsselprinzipien, die es den Schweden ermöglichen, in ausgezeichneter Form ein hohes Alter zu erreichen.
1. Ständige körperliche Aktivität
Schweden ist ein Land, in dem Sport und Bewegung allgegenwärtig sind. Laufen, Radfahren, Skifahren, Schwimmen, Wandern und Nordic Walking sind hier beliebt. Und das ist nicht nur ein saisonaler Zeitvertreib – die Schweden trainieren sowohl im Sommer als auch im Winter.

Auf meinen Reisen durch Europa begegnete ich in den Bergen oft älteren Schweden mit Rucksäcken und Kletterausrüstung. In Städten wie Göteborg und Stockholm sah ich Rentner joggen und mit dem Fahrrad zum Supermarkt fahren, während junge Leute das Fahrrad dem Auto vorzogen, um zur Arbeit zu fahren.

Für sie ist Bewegung gleichbedeutend mit Leben. In unserem Land ist das Gehen, insbesondere unter älteren Menschen, selten, und Rentner auf Fahrrädern sind eine absolute Ausnahme. Das liegt zum Teil am Klima und der Qualität der Straßen, aber auch an anderen Gewohnheiten.


Viele unserer älteren Menschen wählen ihre Datscha und ihren Garten als ihre primäre körperliche Aktivität. Doch diese Arbeit belastet oft nur Rücken und Gelenke, während Herz und Blutgefäße kaum davon profitieren. Ich beschloss, mich und meine Eltern frühzeitig an das Gehen und Nordic Walking zu gewöhnen, damit diese Aktivität nur Vorteile bringt.
2. Work-Life-Balance
Schweden trennen Arbeit und Freizeit klar voneinander. Sie legen Wert auf Freizeit und verbringen nicht unnötig viel Zeit bei der Arbeit. Flexible Arbeitszeiten, lange Urlaube und staatliche Unterstützung tragen dazu bei, gesund zu bleiben und chronischen Stress zu vermeiden.


Als Tourist habe ich die Schattenseiten erlebt: In Stockholm schließen die Geschäfte oft um 18 Uhr, und am Wochenende sind sie oft gar nicht geöffnet. Für die Schweden ist das jedoch eine Gelegenheit, einen Abend mit der Familie zu verbringen, anstatt hinter einer Ladentheke oder im Büro.

In unserer Kultur sind die Arbeitszeiten völlig anders – Dienstleistungen und Geschäfte sind fast rund um die Uhr geöffnet, Überstunden und Wochenendarbeit gelten als normal. Die Folge sind Müdigkeit, Zeitmangel für die Lieben, Hobbys und ausreichend Erholung. Nach der Reise beschloss ich, ihre Gewohnheit zu übernehmen, meine Freizeit wertzuschätzen und meine Energie besser einzuteilen.
3. Verantwortungsvoller Umgang mit der Gesundheit
In Schweden konzentriert sich das Gesundheitssystem auf Prävention. Die Einwohner warten nicht, bis Krankheiten auftreten, sondern unterziehen sich regelmäßigen Untersuchungen, darunter auch kostenpflichtigen Screenings, um Probleme frühzeitig zu erkennen.

Das Wichtigste ist die persönliche Motivation, auf sich selbst zu achten. Auch bei uns gibt es kostenlose Vorsorgeuntersuchungen, aber die meisten vernachlässigen sie. Schweden hingegen betrachten ihre Gesundheit als wertvolles Gut, das täglich geschützt werden muss.

Nach der Reise wurde mir klar, dass es Zeit war, meine Herangehensweise zu ändern – verfügbare Diagnosemöglichkeiten zu nutzen, anstatt Arztbesuche „auf später“ zu verschieben.
4. Die Philosophie von Lagom und die Fähigkeit, im Moment zu leben
Die schwedische Kultur hat ein besonderes Konzept: Lagom . Dabei geht es um Mäßigung in allen Bereichen: Essen, Konsum und Geldausgeben. Man sollte im Rahmen seiner Möglichkeiten leben, nicht im Überfluss leben und das genießen, was man bereits hat.

Obwohl „lagom“ manchmal als Stereotyp gilt, halten sich ältere Schweden tatsächlich an dieses Prinzip. Sie warten nicht auf besondere Anlässe, um das Leben zu genießen, streben nicht nach Karriere und messen Erfolg nicht am Geld. Dieser Ansatz reduziert Stress und macht das Leben reich und sinnvoll.

Diese Philosophie kann mich nur bestätigen. Auf der Suche nach der „besten Version von sich selbst“ kann man das Wichtigste verpassen – die einfachen Freuden. Jetzt lerne ich, den gegenwärtigen Moment zu genießen und teile dieses Verständnis mit meiner Familie.
Abschluss
Indem wir uns zumindest einige dieser Gewohnheiten aneignen – tägliche körperliche Aktivität, eine gesunde Work-Life-Balance, bewusste Gesundheitsvorsorge und maßvollen Konsum – können wir unsere Lebensqualität deutlich verbessern.
Ein gesunder Lebensstil ist kein Opfer und keine vorübergehende Maßnahme, sondern eine Investition in die Zukunft. Und vielleicht hilft uns dieser Ansatz, der schwedischen Langlebigkeit näher zu kommen.

