Warum kommen Menschen mit leeren Händen zu Besuch? Ein aktueller Fall

Diesen Sommer passierte mir eine lustige, aber auch lehrreiche Geschichte. Am Freitagabend rief mich ein alter Freund gut gelaunt an und sagte, er, seine Frau und ihr Kind wollten für ein paar Tage zu mir in die Datscha kommen – zum Entspannen, Plaudern und Schwimmen im See. Ohne lange zu überlegen, sagte ich zu: Ich hatte viel Platz, das Wetter war perfekt und der See war in der Nähe – was will man mehr für ein tolles Wochenende? Doch bei ihrer Ankunft erwartete sie eine Überraschung: Sie kamen leicht bepackt, ohne Taschen oder Einkäufe, nur mit einem breiten Lächeln.

Zuerst dachte ich, sie wären vielleicht einfach nur müde von der Reise und würden später einkaufen gehen. Stattdessen verteilten sie schnell ihre Sachen im Zimmer und machten sich auf den Weg zum See. Ich blieb in der Küche zurück und fragte mich: „Wer kocht denn das Abendessen?“ Natürlich gab es Vorräte im Kühlschrank, aber ich hatte nicht vor, für drei Gäste und mich selbst etwas vorzubereiten. Ich musste die Rolle des aufmerksamen Gastgebers übernehmen – kochen, servieren und abräumen. Am Tisch aßen die Gäste herzhaft, lachten und scherzten, als ob das so sein sollte, während ich stillschweigend den Kellner bediente. Nicht die geringste Andeutung eines Angebots, beim Kochen oder Abwaschen zu helfen – es fühlte sich an, als wären sie in einem Resort mit Service angekommen.

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Am nächsten Tag verschlimmerte sich die Situation nur noch. Sie behandelten den Kühlschrank bereits wie ihren eigenen, und der Tabakvorrat, den ich in der Küche gefunden hatte, war bis auf die letzte Zigarette aufgeraucht. Außerdem fragte mein Freund sogar, ob ich „noch etwas“ hätte. Es war unangenehm und etwas seltsam – ich hatte erwartet, dass sich mein alter Freund anders verhält.

Warum passiert das? Offenbar glauben manche Leute, solche „Kleinigkeiten“ seien unwichtig. Sie denken: „Er wird sich schon nicht beleidigen lassen, er wird alles ertragen.“ Doch oft schweigen wir, bis uns die Geduld ausgeht. Ich erinnere mich an eine Freundin, die immer mit Leckereien zu ihren Freunden kam und mit leeren Händen begrüßt wurde – und aus irgendeinem Grund galt das als normal. Allmählich gewöhnt man sich daran, dass die eigene Gastfreundschaft als selbstverständlich angesehen wird, und die Leute denken gar nicht mehr daran, sich zu revanchieren.

Als mir klar wurde, dass sie in Zukunft weitere derartige Überfälle planten, musste ich dem Ganzen ein sanftes Ende bereiten. Ich sagte: „Leute, nichts für ungut, aber ich bin lieber allein in so einem Urlaub.“ Natürlich war ihre Reaktion vorhersehbar – sie waren beleidigt. Aber ich habe daraus gelernt: Bevor man Gäste einlädt, sollte man zweimal darüber nachdenken, ob sich so etwas wiederholen könnte. Und im Zweifelsfall ist es besser, Zeit und Nerven zu sparen.

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