Wenn Sie mehr als 25 Mal am Tag pupsen – das könnte ein Warnsignal Ihres Körpers sein.

Blähungen sind ein normaler Bestandteil der Verdauung. Laut dem American College of Gastroenterology lassen gesunde Menschen durchschnittlich 14 bis 23 Mal täglich Gase ab. Doch was passiert, wenn man täglich mehr als 25 Mal pupst?

Gelegentliche Blähungen sind zwar harmlos, doch anhaltende, übermäßige Völlegefühle – insbesondere in Verbindung mit anderen Symptomen wie Völlegefühl, Bauchschmerzen, unregelmäßigem Stuhlgang oder üblem Geruch – können auf tieferliegende Probleme im Magen-Darm-Trakt hinweisen. Die Wissenschaft sagt dazu Folgendes:

1. Darmdysbiose: Ein Ungleichgewicht im Mikrobiom 

Der menschliche Darm beherbergt Billionen von Bakterien, die die Verdauung unterstützen. Wird dieses empfindliche Ökosystem gestört – beispielsweise durch Antibiotika, ungesunde Ernährung, Stress oder Krankheit –, kann es zu einer übermäßigen Vermehrung gasbildender Bakterien kommen.

Eine 2020 in Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology veröffentlichte Übersichtsarbeit erklärt, wie eine Dysbiose zu einer übermäßigen Fermentation von Kohlenhydraten im Dickdarm führen kann, wodurch vermehrt Wasserstoff, Methan und Kohlendioxid entstehen – was Blähungen zur Folge hat. Insbesondere die Methanüberproduktion steht in Zusammenhang mit einer verlangsamten Darmmotilität und Verstopfung.  

2. Bakterielle Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO) 

SIBO entsteht, wenn Bakterien, die normalerweise im Dickdarm vorkommen, den Dünndarm besiedeln. Diese fehlplatzierten Mikroben fermentieren die Nahrung, bevor sie richtig verdaut werden kann, was zu Blähungen, Völlegefühl, Durchfall und sogar Nährstoffmangel führen kann.

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Laut einer Studie aus dem Jahr 2017 im World Journal of Gastroenterology wird SIBO deutlich zu selten diagnostiziert, betrifft aber bis zu 15 % der gesunden Bevölkerung und bis zu 80 % der Menschen mit Reizdarmsyndrom. 

3. Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Malabsorption 

Laktoseintoleranz, Fruktosemalabsorption und Glutenunverträglichkeit zählen zu den häufigsten Ursachen für Blähungen. Gelangen unverdaute Zucker in den Dickdarm, werden sie von Bakterien verstoffwechselt – wobei große Mengen Gas als Nebenprodukt entstehen.

Eine 2013 in Neurogastroenterology & Motility veröffentlichte Studie ergab, dass Personen mit Fruktoseintoleranz nach dem Verzehr gängiger Lebensmittel wie Äpfel, Honig oder Maissirup mit hohem Fruktosegehalt deutlich häufiger unter Blähungen, Flatulenz und Bauchschmerzen litten.  

4. Geringe Produktion von Verdauungsenzymen 

Mit zunehmendem Alter oder aufgrund einer Pankreasinsuffizienz produziert der Körper möglicherweise weniger Verdauungsenzyme, insbesondere Amylase, Lipase und Laktase. Fehlen genügend Enzyme, wird die Nahrung im Dünndarm nicht richtig aufgespalten, was zu Gärungsprozessen im Dickdarm führt.

Dies führt zu vermehrter Gasbildung und in manchen Fällen zu Steatorrhö (fettigem, übelriechendem Stuhl). Auch chronische Pankreatitis und Zöliakie können die Enzymproduktion beeinträchtigen.

5. Zu viel Ballaststoffe oder plötzliche Ernährungsumstellung 

Ballaststoffe sind für die Darmgesundheit unerlässlich, doch eine plötzliche Erhöhung – insbesondere durch Bohnen, Kreuzblütler oder Vollkornprodukte – kann die Darmflora überfordern. Eine Studie aus dem Jahr 2011, veröffentlicht in „Clinical Gastroenterology and Hepatology“, zeigte, dass Personen mit einer ballaststoffreichen Ernährung deutlich häufiger über Blähungen und Unwohlsein klagten, insbesondere in den ersten Wochen.  

6. Zugrunde liegende gastrointestinale Erkrankungen 

Übermäßiges Blähen kann auch ein frühes Warnzeichen für Folgendes sein:

  • Reizdarmsyndrom (RDS)  – Charakterisiert durch veränderte Stuhlgewohnheiten, Schmerzen und übermäßige Blähungen aufgrund viszeraler Überempfindlichkeit und Darmmotilitätsstörungen.
  • Zöliakie  – Eine Autoimmunreaktion auf Gluten, die die Darmschleimhaut schädigt und zu Blähungen, Völlegefühl und Nährstoffmangel führt.
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED)  – Dazu gehören Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, die beide aufgrund von Entzündungen und einer veränderten Darmflora zu einer abnormalen Gasbildung führen können.

Wann sollte man ärztlichen Rat einholen?

Wenn übermäßige Blähungen von einem der folgenden Symptome begleitet werden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen:

  • Chronische oder starke Blähungen
  • Unerklärlicher Gewichtsverlust
  • Anhaltender Durchfall oder Verstopfung
  • Müdigkeit oder Nährstoffmangel
  • Plötzliche Veränderung der Stuhlgewohnheiten

Dies könnten Anzeichen für zugrunde liegende Verdauungsstörungen sein, die eine Behandlung, Tests (wie einen Atemtest auf SIBO) oder eine Anpassung der Ernährung erfordern.

Blähungen sind normal – aber mehr als 25 Mal am Tag, und das regelmäßig, sind möglicherweise nicht mehr normal. Es ist die Art und Weise, wie Ihr Körper Ihnen signalisiert: „Etwas stimmt nicht.“ Anstatt den Geruch mit Sprays zu überdecken oder allein Ihre Ernährung dafür verantwortlich zu machen, sollten Sie darauf achten, was Ihr Darm Ihnen wirklich sagen will. Er braucht vielleicht einfach nur mehr Ausgeglichenheit, Aufmerksamkeit oder professionelle Hilfe.  

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