Aus abgeschnittenen Ästen vom letzten Baum- oder Strauchschnitt ein Rankgitter zu bauen, ist eines der lohnendsten DIY-Projekte im Garten. Es kostet keinen Cent, haucht scheinbarem „Gartenabfall“ neues Leben ein und bringt sofort eine wunderschöne, urige Atmosphäre in die Beete.
Ob für Erbsen, Kletterbohnen, Kapuzinerkresse oder kleine Rankgewächse – hier erfahren Sie, wie Sie Schritt für Schritt ein stabiles Gitter bauen.
1. Die Materialauswahl: Welche Äste eignen sich?
Nicht jeder Ast ist gleich gut geeignet. Für ein langlebiges Rankgitter halten Sie nach folgendem Schnittgut Ausschau:
- Die tragenden Pfosten (Die Vertikalen): Hierfür benötigen Sie dickere, möglichst gerade Äste (Durchmesser ca. 3–5 cm). Hervorragend geeignet sind Haselnuss, Weide, Kastanie oder Eiche. Sie sollten robust genug sein, um tief in die Erde geschlagen zu werden.
- Die Querverbindungen (Die Horizontalen): Hierfür eignen sich dünnere, flexiblere Äste (Durchmesser ca. 1–2 cm). Weidenruten, Birkenzweige oder der Rückschnitt von Obstbäumen sind hier ideal.
- Das Bindematerial: Um den natürlichen Look zu wahren, verwendet man am besten dickes Kokosgarn, Jutekordel oder Sisalseil. Wer es absolut unzerstörbar und wetterfest mag, greift zu dünnem, braunem oder grünem Bindedraht.
2. Variante A: Das klassische “Leiter-Gitter” (Ideal für Wände und Zäune)
Dieses rechteckige Gitter lässt sich flach auf dem Boden vormontieren und anschließend an eine Hauswand, Stallwand oder ins Beet stellen.
Schritt 1: Das Grundgerüst legen
Legen Sie die zwei dicksten, langen Äste parallel zueinander auf den Boden. Das ist die Breite Ihres Gitters. Wichtig: Lassen Sie unten etwa 30 bis 40 cm der Pfosten frei – dieser Teil wird später in die Erde gesteckt.
Schritt 2: Die Sprossen fixieren
Legen Sie nun die dünneren Äste im rechten Winkel quer über die beiden Hauptpfosten (wie die Sprossen einer Leiter) im Abstand von etwa 15 bis 20 cm.
Schritt 3: Der Kreuzknoten (Das eigentliche Geheimnis)
Um die Äste stabil zu verbinden, ohne Schrauben zu benutzen, wickeln Sie die Kordel im Kreuzknoten um die Verbindungsstellen:
- Das Seil diagonal über die Kreuzung führen.
- Von hinten herumholen und diagonal in die andere Richtung kreuzen (so entsteht ein „X“ auf der Vorderseite).
- Zweimal fest um die Achse zwischen den beiden Ästen wickeln (das spannt den Knoten extrem fest).
- Mit einem einfachen Doppelknoten auf der Rückseite sichern.
3. Variante B: Das rustikale “Tipi” oder die “Obelisk-Pyramide”
Wenn das Rankgitter komplett freistehend mitten im Beet (z. B. für Prunkbohnen oder Gurken) stehen soll, ist die Pyramidenform statisch die stabilste Lösung, da sie dem Wind kaum Angriffsfläche bietet.
Schritt 1: Das Zelt aufstellen
Stecken Sie 3, 4 oder 5 lange, dickere Äste im Kreis tief in die Erde (ca. 20–30 cm tief). Der Durchmesser des Kreises bestimmt, wie viel Platz die Pflanzen später am Boden haben.
Schritt 2: Die Spitze binden
Führen Sie die oberen Enden der Äste in der Mitte zusammen und binden Sie sie mit einem dicken Seil extrem fest zusammen. Wickeln Sie das Seil ruhig mehrmals um das gesamte Bündel.
Schritt 3: Das Kletternetz weben
Nun nehmen Sie dünne, biegsame Ruten (wie Weide) und wickeln sie spiralförmig von unten nach oben horizontal um die Zeltstangen herum. Fixieren Sie die Ruten an den Kreuzungspunkten jeweils kurz mit etwas Schnur oder Draht. So entsteht ein stabiles, wunderschönes Klettergerüst.
4. Profi-Tipps für maximale Haltbarkeit
- Der Trick gegen Fäulnis: Holz verrottet dort am schnellsten, wo es die feuchte Erde berührt. Wenn Sie das Gitter für mehrere Jahre nutzen möchten, flämmen Sie die unteren Enden der Standpfosten, die in die Erde kommen, mit einem kleinen Gasbrenner kurz an, bis sie oberflächlich leicht verkohlt sind. Das schützt das Holz auf natürliche Weise vor Pilzen und Feuchtigkeit.
- Frisch oder getrocknet? Biegsame Ruten für Querverbindungen lassen sich am besten verarbeiten, wenn sie ganz frisch geschnitten sind. Beim Trocknen werden sie starr. Die dicken Hauptpfosten dürfen hingegen gern schon trocken sein.
- Kein Werkzeug-Zwang: Verwenden Sie die Äste ruhig so, wie sie gewachsen sind. Kleine Seitenzweige oder Astgabelungen müssen nicht penibel abgeschnitten werden – genau diese kleinen Unebenheiten bieten den feinen Rankorganen von Erbsen und Co. perfekten Halt!
Welche Kletterpflanze soll denn an Ihrem neuen Gitter emporwachsen, und haben Sie schon genug Astmaterial vom letzten Rückschnitt parat?