Ein unterirdisches Gewächshaus – in der Permakultur-Szene oft unter dem Namen Walipini (ein Wort der Aymara-Indigenen für „warmer Ort“) bekannt – ist eine der genialsten Methoden, um das ganze Jahr über unabhängig von eisigen Außentemperaturen frisches Gemüse anzubauen.
Während klassische, freistehende Glasgewächshäuser im Winter extrem schnell auskühlen und nur mit teurer Heizenergie frostfrei gehalten werden können, nutzt das Walipini das älteste und zuverlässigste Heizsystem der Welt: die Erdwärme.
Das Funktionsprinzip: Die thermische Masse der Erde
Das Geheimnis des unterirdischen Gewächshauses liegt in der thermischen Trägheit des Bodens. Ab einer Tiefe von etwa 1,5 bis 2 Metern bleibt die Temperatur des Erdreichs das ganze Jahr über nahezu konstant (je nach Region meist zwischen 10 und 15 °C).
Ein Walipini wird so tief in den Boden gegraben, dass seine Wände komplett von Erde umschlossen sind. Nur das schräge, nach Süden ausgerichtete Dach ragt aus dem Boden heraus.
- Tagsüber: Die Sonnenstrahlen dringen durch das transparente Dach ein und erwärmen die Luft und die massiven Erdwände im Inneren.
- Nachts: Wenn die Außentemperaturen unter den Gefrierpunkt sinken, geben die dicken Erdwände die tagsüber gespeicherte Wärme langsam wieder an den Innenraum ab. Das Gewächshaus bleibt frostfrei, ohne dass eine externe Heizung benötigt wird.
Die drei Säulen des erfolgreichen Walipini-Baus
Damit ein unterirdisches Gewächshaus langfristig funktioniert und nicht feucht oder dunkel wird, müssen beim Bau drei physikalische Faktoren exakt beachtet werden:
1. Der Einfallswinkel des Sonnenlichts
Das Dach darf nicht flach sein. Um im Winter – wenn die Sonne sehr tief steht – das Maximum an Licht und Wärme einzufangen, muss der Winkel des Daches genau auf den Breitengrad Ihres Standorts abgestimmt sein. In Mitteleuropa liegt der ideale Neigungswinkel des nach Süden ausgerichteten Dachs meist bei 35 bis 45 Grad.
2. Die kompromisslose Drainage (Entwässerung)
Da das Gewächshaus eine Grube im Boden ist, besteht die größte Gefahr darin, dass es bei Starkregen oder Schneeschmelze voll Wasser läuft oder die Wände feucht werden.
- Abflusssysteme: Um das Walipini herum muss ein tiefer Drainagegraben gezogen werden, der das Oberflächenwasser ableitet.
- Bodenbeschaffenheit: Der Boden im Inneren benötigt ein stark durchlässiges Kiesbett unter der eigentlichen Pflanzerde, damit überschüssiges Gießwasser sofort versickern kann.
3. Belüftung gegen Schimmel
Durch die feuchte Erde und die Transpiration der Pflanzen entsteht unter der Erde schnell eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Ein durchdachtes Belüftungssystem mit tief sitzenden Zuluftöffnungen und hoch gelegenen Abluftklappen am Dachfirst ist unerlässlich, um Schimmelbildung zu verhindern und den Pflanzen frisches Kohlendioxid (CO₂) zuzuführen.
Was lässt sich im Walipini anbauen?
Durch das konstant milde Mikroklima verschieben sich die Anbaugrenzen dramatisch:
- Im tiefsten Winter: Während draußen Schnee liegt, gedeihen im Walipini problemlos Kälteliebhaber wie Spinat, Feldsalat, Postelein, Grünkohl, Radieschen und diverse Asia-Salate.
- Im zeitigen Frühjahr: Der Start für Tomaten, Paprika, Chilis und Gurken kann oft um mehrere Wochen vorgezogen werden, da der Boden im Inneren nie gefriert.