Die Natur spielt einem manchmal Streiche. Mal ist es niedlich, mal geheimnisvoll, und manchmal beides zugleich. Genau so eine Geschichte ereignete sich in einem Tierheim in Jackson, Missouri, wo ein Welpe eingeliefert wurde, an den sich die Tierschützer noch lange erinnern werden.
Der Welpe wurde auf der Straße gefunden – erfroren, einsam, ohne jede Spur von Herkunft oder Eltern. Doch das war nicht das Erstaunlichste. Auf der Stirn des kleinen Hundes prangte ein weiterer kleiner Schwanz.
Keine Pfote, kein Ohr, sondern ein echter, wenn auch winziger, Schwanz – wo er definitiv nicht hingehörte.
Dieses Naturwunder entdeckten die Tierschützer.
Jemand aus dem Tierheim scherzte sofort, der Welpe müsse aus einem Labor entlaufen sein. Ein anderer erinnerte sich an Märchen von Einhörnern. Und jemand sah den armen Kleinen an und dachte sich: Woher der Schwanz kommt, ist doch egal – Hauptsache, das Baby ist am Leben, hat es warm und es scheint ihm völlig egal zu sein, dass es anders ist als alle anderen.
Das Wort „Einhorn“ klang zu laut, deshalb wurde der Welpe Narwal genannt – zu Ehren der echten gehörnten Meeresbewohner.
Der Name blieb sofort hängen. Narwal ist ein bisschen witzig, ein bisschen edel und gleichzeitig sehr passend für diesen stämmigen Hund mit dem ungewöhnlichen Fleck auf der Stirn.
Das Tierheim berichtet: Das Tier entpuppte sich als überraschend sanft und zutraulich, als ob es gar nicht wüsste, dass es anders aussieht als die anderen.
Narwal fühlt sich pudelwohl, wie ein ehemaliger Obdachloser. Abgesehen vom zusätzlichen Schwanz hat er keine weiteren Besonderheiten.
Nachdem die ersten Fotos von Narwal im Internet aufgetaucht waren, wurde das Tierheim regelrecht mit Fragen überhäuft. Die häufigste: Wedelt er mit dem Schwanz, wenn er glücklich ist? Leider nein.
Laut Experten handelt es sich hierbei nicht um einen Schwanz im üblichen Sinne. Die Bilder zeigten, dass dieses kleine Körperteil in keiner Weise mit dem Rest des Hundekörpers verbunden ist. Es wirkt, als hätte jemand dem Welpen ein zusätzliches Glied hinzugefügt – doch es wurden keine Spuren von Eingriffen gefunden.
Der Schwanz wuchs von selbst, ohne ersichtlichen Grund, und warum genau dies geschah, bleibt selbst für erfahrene Spezialisten ein Rätsel.
Der Welpe wurde sorgfältig untersucht – ein solch ungewöhnlicher Fall kommt nicht alle Tage vor.
Der Schwanz, so heißt es, könne ohne Schaden für den Hund entfernt werden. Aber warum, wenn er niemanden stört?
Der zusätzliche Schwanz wächst nicht, bewegt sich nicht und scheint Narwhal selbst überhaupt nicht zu stören. Er rennt und spielt fröhlich, bettelt nach Leckerlis und verwöhnt jeden, der ins Tierheim kommt. Daher beschlossen wir, in seinem jungen und ohnehin schon schwierigen Leben nichts zu überstürzen – den Hund erst einmal wachsen zu lassen, zu beobachten, wie es ihm geht, und erst dann über mögliche Lösungen nachzudenken.
Es wird immer noch einen Zeitpunkt geben, ihn einzuschläfern, obwohl die Mitarbeiter des Tierheims zugeben, dass sie es überhaupt nicht wollen – er ist einfach zu besonders und süß, so wie er geboren wurde.
Und wenn sich mit der Zeit herausstellt, dass alles in Ordnung ist mit dem Kleinen und seine ungewöhnliche Eigenschaft keine Probleme verursacht, wird es schon eine lange Warteliste geben, in der sich Menschen um ihn kümmern.
Man muss eben nicht „wie alle anderen“ sein, um auf Anhieb geliebt zu werden.
Manchmal verbirgt sich das größte Herz in dem Welpen, der ein bisschen anders ist als die anderen.