Ein unterirdisches Gewächshaus – auch bekannt als Walipini (aus der Aymara-Sprache für „Ort der Wärme“) – nutzt die natürliche Geothermie der Erde, um im Inneren ganzjährig eine stabile Temperatur zu halten. So gelingt der Anbau von frischem Gemüse selbst im tiefsten Winter ohne teure Heizung.
Prinzip & Vorteile
- Thermische Masse: Die Erde isoliert gegen Kälte im Winter und Hitze im Sommer. Ab ca. 1,5 bis 2 Metern Tiefe herrscht das ganze Jahr über eine nahezu konstante Bodentemperatur (je nach Region ca. 8–12 °C).
- Solare passive Erwärmung: Das schräg nach Süden ausgerichtete Dach fängt das Sonnenlicht optimal ein und speichert die Wärme in den Wänden und im Boden.
Schritt-für-Schritt-Bauanleitung
1. Standort & Ausrichtung wählen
- Ausrichtung: Richte die transparente Dachfläche exakt nach Süden aus (auf der Nordhalbkugel), um das Maximum an Sonnenstunden zu nutzen.
- Neigung des Dachs: Der Dachwinkel sollte dem Breitengrad deines Standorts plus 10–15° entsprechen, damit die tief stehende Wintersonne senkrecht auf das Dach trifft.
- Grundwasser beachten: Der Boden der Grube muss mindestens 1–1,5 Meter über dem höchsten Grundwasserspiegel liegen.
2. Aushub der Grube
- Grabe eine rechteckige Grube mit einer Tiefe von ca. 1,5 bis 2,5 Metern.
- Die Ausmaße hängen vom verfügbaren Platz ab (z. B. 3 × 5 Meter als kompakte Einsteigergröße).
- Bewahre den ausgehobenen Mutterboden separat auf, um ihn spätestens beim Anlegen der Beete als fruchtbare Schicht zu nutzen.
3. Wandstabilisierung & Dämmung
- Stabilisiere die Erdwände gegen Einsturz mit Stampflehm, Natursteinen, Betonsteinen oder Holzpalisaden.
- Wärmespeicherung: Dunkle Natursteine oder mit Erde gefüllte Wassertanks an der Nordwand nehmen tagsüber Wärme auf und geben sie nachts ab.
- Dämme die oberen Erdbeiche (besonders die Nordseite) nach außen hin gut ab.
4. Entwässerung (Drainage)
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- Damit Regen- oder Sickerwasser das Gewächshaus nicht flutet, lege am Boden eine Schicht aus Kies/Schotter an.
- Installiere ein leichtes Gefälle zu einem tiefsten Punkt (Sumpf) hin, von dem überschüssiges Wasser ablaufen oder abgepumpt werden kann.
5. Dachkonstruktion
- Baue einen stabilen Holz- oder Metallrahmen.
- Eindeckung: Verwende doppelschichtige Polycarbonat-Stegplatten oder UV-beständige Gewächshausfolie. Polycarbonat bietet eine deutlich bessere Wärmedämmung als einfaches Glas.
- Achte auf eine gute Abdichtung an den Übergängen zum Erdreich.
6. Belüftung & Eingang
- Eingang: Baue eine gut isolierte Tür – am besten über einen geschützten Niedergang oder ein leicht angewinkeltes Tunnelportal an der Seite.
- Lüftungsklappen: Platziere mindestens zwei Lüftungsöffnungen (eine tief liegende für Zuluft, eine hoch liegende an der Nordwand für Abluft), um Hitzestau im Sommer und Schimmelbildung im Winter zu vermeiden.
Übersicht: Materialbedarf
| Bauteil | Empfohlenes Material | Funktion |
| Dach | Doppelstegplatten (Polycarbonat, 10–16 mm) | Lichtdurchlässigkeit & Wärmedämmung |
| Rahmen | Imprägniertes Kantholz oder Verzinkter Stahl | Stabilität gegen Wind & Schneelast |
| Wände | Naturstein, Kalksandstein oder Stampflehm | Thermische Masse & Erdsicherung |
| Boden | Kiesschicht + Mutterboden/Kompost | Drainage & Nährstoffgrundlage |
Geeignete Gemüsesorten für den Winteranbau
- Blattgemüse: Feldsalat, Spinat, Postelein (Winterportulak), Rucola
- Kohlgewächse: Grünkohl, Pak Choi, Radieschen
- Wurzelgemüse: Karotten, Pastinaken, Rote Bete
- Kräuter: Schnittlauch, Petersilie, Kresse