
Der Sommerschnitt von Lavendel ist entscheidend dafür, ob der Strauch seine dichte, kugelförmige Gestalt behält und ob er vor dem Herbst noch neue Knospen bilden kann. Die einfachste Regel lautet: Entfernen Sie die verblühten Blütenstände zusammen mit einem Teil des grünen Triebs, lassen Sie aber immer einige Zentimeter grüne Blätter stehen und schneiden Sie nicht tief in das graue, alte Holz.
Wenn die ersten Blüten im Hochsommer ihre Farbe und ihren Duft verlieren, beginnt der Lavendel, seine Energie in die Samenbildung zu investieren. Entfernt man die verblühten Blütenstängel frühzeitig, kann die Pflanze mehr Energie in neue Triebe stecken.
Bei einem gesunden Strauch und ausreichend warmem Restsommer kann es zu einer zweiten, meist schwächeren Blüte kommen. Ist der Sommer kalt und regnerisch oder erfolgt der Rückschnitt zu spät, bilden sich möglicherweise keine neuen Blütenstände.
Der Sommerschnitt von Lavendel verhindert eine schnelle Verholzung.
Lavendel ist ein Halbstrauch, dessen ältere Triebe mit der Zeit verholzen. Ohne regelmäßigen Rückschnitt wächst der grüne Neuaustrieb jedes Jahr höher, und der Strauchfuß bleibt kahl.
Nach einigen Vegetationsperioden kann die Pflanze ihre kompakte Form verlieren. Die Triebe breiten sich seitlich aus, die Mitte öffnet sich, und die Blüten erscheinen hauptsächlich an den Enden der jungen Zweige.
Regelmäßiges Beschneiden trägt zu einem dichteren Wachstum bei, altes, graues Holz sollte jedoch beachtet werden, da Lavendel oft nur sehr schlecht oder gar nicht austreibt.
Der beste Zeitpunkt ist direkt nach der ersten Blütewelle.
Warten Sie nicht, bis alle Blütenstände vollständig vertrocknet sind und die Pflanze Samen ansetzt. Der ideale Zeitpunkt ist, wenn die meisten Blüten ihre charakteristische violette Farbe verloren haben.
Je nach Sorte, Standort und Wetterlage kann dies im Juli oder Anfang August der Fall sein. Je früher Sie nach der ersten Blüte schneiden, desto mehr warme Wochen hat der Strauch Zeit, sich zu erholen.
Um die Wahrscheinlichkeit einer zweiten Blüte Ende August zu erhöhen, sollten Sie den Rückschnitt nicht unnötig hinauszögern. Ein später Rückschnitt kann zwar neue Blätter hervorbringen, aber die Pflanze hat dann möglicherweise nicht mehr genügend Zeit, Blüten anzusetzen.
Schneiden Sie oberhalb des grünen Teils, nicht in das graue Holz.
Die Grenze zwischen dem grünen Trieb und dem alten, verholzten Teil ist bei Lavendel entscheidend. Junge grüne Stängel tragen Blätter und können nachwachsen.
Die grauen, harten Zweige im unteren Bereich treiben deutlich seltener neu aus. Schneidet man sie zu tief ab, bleibt möglicherweise ein kahler Zweig zurück, der keine neuen Knospen mehr bildet.
Als Faustregel gilt: Lassen Sie an jedem gekürzten Trieb einige Zentimeter grünes, belaubtes Gewebe stehen. So verfügt die Pflanze weiterhin über genügend aktives Gewebe für weiteres Wachstum.
Entfernen Sie die verblassten Ohren, gegebenenfalls mit einem Stück Stiel.
Schneiden Sie nicht nur den vertrockneten Blütenkopf ab. Entfernen Sie den verblühten Blütenkopf zusammen mit einigen Zentimetern des darunter liegenden grünen Triebs.
Dieser Schnitt kürzt zudem übermäßig lange Triebe und sorgt für eine kompaktere Form. Bei größeren Sträuchern sollte man gleichmäßig rundherum vorgehen.
Ziel ist es nicht, eine perfekt spitze Kugel zu formen, sondern die Länge der jungen Triebe anzugleichen, damit Licht und Luft bis ins Innere der Pflanze vordringen können.
Formen Sie den Busch zu einer niedrigen, abgerundeten Kuppel.
Lavendel sieht am besten aus und altert langsamer, wenn er eine regelmäßige, runde Form behält. Lange, seitlich abstehende Triebe führen dazu, dass der Strauch sich öffnet und mit der Zeit auseinanderfällt.
Beim Sommerschnitt sollte man der gesamten Kontur der Pflanze folgen. Herausstehende junge Triebe etwas stärker kürzen, schwächere nur geringfügig.
Man sollte jedoch stets die grüne Baumkrone im Auge behalten. Eine schöne Form rechtfertigt es nicht, alle Blätter von einem älteren Ast abzuschneiden.
Junge Sämlinge sollten im ersten Jahr sehr vorsichtig zurückgeschnitten werden.
Eine Pflanze, die erst vor Kurzem gepflanzt wurde, muss zunächst ein starkes Wurzelsystem entwickeln, daher ist ein starker Sommerrückschnitt nicht empfehlenswert.
Im ersten Jahr genügt es, Verblühtes zu entfernen und gegebenenfalls die Form vorsichtig anzupassen. Stärkere Rückschnitte sollten erst im nächsten Jahr erfolgen, wenn der Lavendel gut angewachsen ist.
Sträucher, die mindestens eine volle Vegetationsperiode am selben Standort gewachsen sind, profitieren am meisten von einem regelmäßigen Sommerschnitt.
Den Schnitt bei trockenem und warmem Wetter durchführen.
Wählen Sie zum Mähen einen Tag ohne Regen. Trockene Bedingungen tragen dazu bei, dass frisch gemähte Flächen schneller trocknen.
Am besten arbeitet man morgens, nachdem der Tau abgetrocknet ist, oder am späten Nachmittag, wenn die Sonne nicht mehr so stark steht. So wird die frisch geschnittene Pflanze nicht sofort extremer Hitze ausgesetzt.
Bei anhaltendem Regen sollten Sie auf besseres Wetter warten. Lavendel verträgt generell keine längere Feuchtigkeit, und frische Wunden benötigen diese nicht zusätzlich.
Eine scharfe Schere verhindert das Ausfransen der Stängel.
Verwenden Sie eine saubere, gut geschärfte Gartenschere. Stumpfe Klingen quetschen und zerreißen den Stängel, anstatt ihn sauber abzuschneiden.
Bei einem kleinen Busch kann man Trieb für Trieb vorgehen. Bei einem größeren kann man in kleineren Abschnitten schneiden, sollte aber immer darauf achten, kein altes Holz zu treffen.
Reinigen Sie die Werkzeuge nach dem Schneiden, insbesondere wenn Sie beschädigte oder verdächtige Teile an der Pflanze bemerken.
Den Lavendel nach dem Schneiden einmal gründlich wässern.

Nach dem Sommerschnitt kann die Pflanze einmal kräftig gegossen werden, damit das Wasser tiefer in die Wurzeln vordringt. Anschließend sollte die Erde wieder abtrocknen.
Lavendel verträgt keine dauerhaft nasse Erde, daher ist ständiges Gießen in kleinen Mengen schlechter als tiefes Wässern mit Unterbrechungen.
Wenn die Pflanze im Boden wächst und das Wetter nicht extrem trocken ist, benötigt sie oft nicht so schnell zusätzliches Wasser wie Lavendel, der in einem Topf gezogen wird.
Lavendel im Topf trocknet nach dem Schneiden schneller.
Die Schnittregeln sind beim Anbau im Topf dieselben. Der Unterschied liegt in der Menge an Erde, die dem Wurzelsystem zur Verfügung steht.
Ein kleiner Topf überhitzt an einem heißen Tag und das Substrat kann sehr schnell austrocknen. Überprüfen Sie daher nach dem Schneiden die Feuchtigkeit häufiger als bei einer Pflanze im Beet.
Das Substrat muss wasserdurchlässig sein und der Topf muss Abflusslöcher haben. Staunässe ist für Lavendel genauso schädlich wie das vollständige Austrocknen des kleinen Wurzelballens.
Das Entfernen der Blüten stoppt die Samenproduktion.
Eine verwelkte Lavendelblüte bedeutet nicht, dass die Pflanze ruht. Lässt man sie am Stängel, reifen die Samen weiter.
Nach dem Entfernen der Blütenstände kann ein Teil der Energie in die Bildung neuer junger Triebe umgeleitet werden. An diesen können unter günstigen Bedingungen neue Knospen erscheinen.
Dieser Mechanismus ist einer der Gründe, warum ein früher Rückschnitt eine größere Chance bietet, eine zweite Blütewelle auszulösen, als ein Eingriff im Spätsommer.
Die zweite Blüte ist in der Regel kleiner als die erste.
Blüht Lavendel nach dem Sommerschnitt erneut, fällt die zweite Blüte meist weniger üppig aus. Es gibt weniger Blütenstände, und diese sind oft kürzer.
Das ist völlig normal. Die Pflanze hat bereits den größten Teil der Saison mit dem Wachsen verbracht und hat weniger Zeit, neues Wachstum zu bilden.
Doch selbst eine kleinere zweite Blüte verlängert den dekorativen Effekt und bietet zusätzliche Blüten für Bestäuber.
Ein kalter und regnerischer Sommer kann die zweite Blüte verhindern.
Ein Sommerschnitt schafft die Voraussetzungen für neues Wachstum, das Ergebnis hängt jedoch weiterhin vom Wetter ab. Lavendel benötigt Wärme, Sonne und ausreichend Zeit bis zum Herbst.
Wenn nach dem Rückschnitt eine längere Kälte- oder Regenperiode folgt, bilden sich möglicherweise keine neuen Knospen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Rückschnitt falsch durchgeführt wurde.
Noch wichtiger ist jedoch, dass der Strauch in der nächsten Saison kompakter bleibt und eine bessere Struktur aufweist.
Lavendel sollte nach dem Sommerschnitt nicht unnötig gedüngt werden.
Lavendel gedeiht von Natur aus auf ärmeren, sehr gut durchlässigen Böden, daher benötigt er nach dem Rückschnitt in der Regel keine intensive Düngung.
Zu viele Nährstoffe fördern zwar ein weiches, üppiges Wachstum, beeinträchtigen aber Kompaktheit und Widerstandsfähigkeit. Die Pflanze wirkt zwar groß, doch die Triebe reifen möglicherweise nicht richtig aus.
Wenn Lavendel in geeignetem Boden wächst und gesund ist, profitiert er in der Regel mehr von Sonne, ausreichender Bewässerung und Zeit nach einem Sommerschnitt als von einer weiteren Düngergabe.
Ein sehr alter, verholzter Strauch muss möglicherweise nicht mehr beschnitten werden.
Lavendel altert auch bei guter Pflege mit der Zeit. Besteht der Strauch größtenteils aus dickem, grauem Holz und befinden sich nur noch grüne Triebe an den Spitzen, sind die Möglichkeiten zum Beschneiden begrenzt.
Ein starker Rückschnitt bis ins alte Holz kann kahle Äste ohne Neuaustrieb hinterlassen, sodass es oft unmöglich ist, einen Strauch mit einem einzigen Schnitt wieder in seine perfekte, kompakte Form zu bringen.
Bei sehr alten und verrottenden Pflanzen kann es praktischer sein, einen neuen Strauch aus einem jungen Sämling zu ziehen.
Die häufigsten Fehler beim Lavendelschnitt im Sommer
Der größte Fehler ist, zu tief unterhalb der grünen Blätter abzuschneiden. Das zweite Problem ist, zu spät abzuschneiden, da die Pflanze dann keine Zeit mehr hat, neue Triebe zu bilden.
- In graues, altes, blattloses Holz sollte man nicht tief schneiden.
- Lassen Sie die verblühten Blütenstände nicht den ganzen Sommer über am Strauch, wenn Sie neues Wachstum fördern möchten.
- Mähen Sie nicht bei Regen oder in der heißen Mittagssonne.
- Lavendel sollte nach dem Schneiden längere Zeit nicht gegossen werden.
- Ein sehr junger Sämling sollte im ersten Jahr nicht radikal zurückgeschnitten werden.
Ebenso wenig sollte man erwarten, dass jeder Strauch nach dem Rückschnitt ein zweites Mal blüht. Die zweite Blüte hängt vom Zeitpunkt, dem Zustand der Pflanze, der Sorte und dem Wetter ab.
Werfen Sie die abgeschnittenen Ohren nicht weg.
Solange die Blumen noch duften und unbeschädigt sind, können Sie sie trocknen. Binden Sie die Stiele zu kleinen Bündeln zusammen und hängen Sie diese mit den Blüten nach unten an einem trockenen, schattigen und gut belüfteten Ort auf.
Nach zwei bis drei Wochen können sie als Dekoration verwendet oder in Stoffbeuteln im Schrank aufbewahrt werden. Getrocknete Blumen behalten bei richtiger Trocknung einen Teil ihrer Farbe und ihres Duftes.
Man kann auch ein paar frische Stängel in einer Vase lassen. So hat der Sommerschnitt eine praktische Verwendung und die Blütenstände landen nicht im Gartenabfall.
Wählen Sie die richtige Lavendelsorte zum Kochen
Wer einige der Blüten in der Küche verwenden möchte, sollte am besten den Schmalblättrigen Lavendel (Lavandula angustifolia) wählen. Er hat ein milderes Aroma und eignet sich für Tees, Kuchen oder aromatisierten Honig.
Lavandin und einige Hybridsorten verströmen ein ausgeprägteres Kampferaroma. Sie eignen sich hervorragend zur Dekoration und Duftgewinnung, sind aber weniger für die Küche geeignet.
Verwenden Sie ausschließlich Blüten von Pflanzen, von denen Sie wissen, dass sie nicht mit zum Verzehr ungeeigneten Präparaten behandelt wurden.
Eine einfache Regel entscheidet über den Erfolg des Schnitts.
Der Sommerschnitt von Lavendel muss nicht kompliziert sein. Nach der ersten Blüte entfernt man die alten Blütenstände, kürzt die grünen Triebe und formt den Strauch, lässt aber an jedem Zweig grüne Blätter stehen.
Dadurch wird eine schnelle Verholzung verhindert, ein dichteres Wachstum gefördert und der Pflanze bei günstigem Wetter die Möglichkeit gegeben, vor dem Herbst neue Knospen zu bilden.
Wenn Sie sich die klare Trennlinie zwischen grünem und grauem Holz merken, können Sie die meisten häufigen Fehler vermeiden. Dieser sanfte jährliche Rückschnitt trägt dazu bei, dass Lavendel möglichst lange kompakt, duftend und üppig blüht.