Ein vietnamesischer Bekannter erzählte mir einmal eine interessante Geschichte über den berühmten „Stern-Balsam“ (bekannt als „Swjostotschka“ oder „Golden Star“) – und ich muss gestehen: Danach sah ich dieses kleine Döschen mit ganz anderen Augen.

Früher dachte ich, das Schwierigste an dieser Salbe sei das Öffnen des Deckels. Sicherlich wissen viele, wie mühsam es sein kann, mit diesem winzigen Blechdöschen zu hantieren.

Ich hielt mich sogar für einen Experten: Man müsse es nur fest zwischen die Finger nehmen, ein wenig drehen und zwischen den Handflächen rollen – und nach ein paar Sekunden würde der Deckel nachgeben.
Es schien, als hätte ich ein großes Geheimnis entdeckt, das man der ganzen Welt mitteilen müsste.

Nun, eines Tages erzählte ich meinem vietnamesischen Bekannten von dieser „Entdeckung“. Er hörte aufmerksam zu, die Augen leicht zusammengekniffen und mit jenem verschmitzten Ausdruck im Gesicht, der verrät, dass jemand gleich etwas Unerwartetes sagen wird.

Er sprach fließend Russisch, ganz ohne Akzent; später erfuhr ich, dass er in seiner Jugend in der UdSSR studiert hatte und seit einigen Jahren in Russland lebte.

Nachdem er sich meinen Monolog darüber angehört hatte, wie geschickt man das Döschen öffnen könne, schmunzelte er und sagte: „Wissen Sie, bei uns in Vietnam wird der ‚Stern-Balsam‘ ganz anders verwendet als bei Ihnen.
Wir schmieren ihn nicht bei Erkältungen auf die Haut, wir inhalieren keine Dämpfe und nutzen ihn nicht gegen Kopfschmerzen. Bei uns dient er einem anderen Zweck: Er soll Mücken und andere stechende Insekten fernhalten.“

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Er erklärte, dass in Vietnam ein heißes und feuchtes Klima herrsche, weshalb es dort unzählige Mücken gebe.

Die Einheimischen haben sich längst darauf eingestellt: Sie tragen ein wenig Balsam auf die unbedeckten Hautpartien auf, und der Geruch der ätherischen Öle – Menthol, Eukalyptus, Kampfer und Nelke – hält die Insekten wirksam ab. Für sie ist es kein Medikament, sondern eine Art natürliches Abwehrmittel, auf das kein Haushalt verzichten möchte.

Diese Geschichte hat mich überrascht. Wir sind es gewohnt, „Swjosdotschka“ als Allheilmittel zu betrachten – gegen Schnupfen, Husten, Kopfschmerzen oder Reiseübelkeit.

In Vietnam hingegen erfüllt es einen ganz anderen Zweck: einen alltäglichen, praktischen – und für ein tropisches Land womöglich sogar noch wichtigeren.

So entpuppte sich die kleine Blechdose, die jeder aus seiner Kindheit kennt, als Symbol für unterschiedliche kulturelle Traditionen.

Für uns ist sie der Duft der Kindheit, ein Stück Nostalgie und ein Universalmittel gegen alle möglichen Beschwerden; für die Vietnamesen hingegen ist sie ein alltäglicher Schutz vor lästigen Insekten.

Und genau darin liegt wohl die eigentliche Bedeutung: Dasselbe Mittel kann ganz unterschiedliche Funktionen erfüllen – je nachdem, wo man lebt und was man gerade braucht: Wärme, Gesundheit oder einfach nur Ruhe vor den Mücken.

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