Unter dem Begriff Spalttransplantation (auch Spalthauttransplantation genannt) versteht man ein chirurgisches Verfahren, bei dem lediglich die oberste Hautschicht (Epidermis) und ein Teil der darunterliegenden Lederhaut (Dermis) übertragen werden.
Im Gegensatz zur Vollhauttransplantation verbleibt am Entnahmeort genug Lederhaut, damit die Wunde dort von selbst abheilen kann.
Hier ist eine Übersicht des typischen Prozesses:
1. Indikationsstellung
Eine Spalthaut wird meist dann eingesetzt, wenn große Wundflächen gedeckt werden müssen, die von allein nicht oder nur sehr langsam zuheilen würden. Das ist häufig der Fall bei:
- Schweren Verbrennungen.
- Großen chronischen Wunden (z. B. “offenes Bein”).
- Hautdefekten nach Unfällen oder Tumoroperationen.
2. Vorbereitung der Empfängerstelle
Damit das Transplantat anwächst, muss der Wundgrund optimal vorbereitet sein:
- Sauberkeit: Die Wunde muss infektfrei sein.
- Durchblutung: Es muss ein gut durchblutetes Gewebe (Granulationsgewebe) vorhanden sein. Auf Sehnen oder nackten Knochen ohne Knochenhaut wächst Spalthaut nicht an.
3. Entnahme der Haut (Spaltung)
Die Haut wird meist an unauffälligen Stellen wie den Oberschenkeln oder dem Gesäß entnommen.
- Das Instrument: Der Chirurg verwendet ein Dermatom (ein elektrisches oder druckluftbetriebenes Präzisionsmesser).
- Die Dicke: Die entnommene Schicht ist hauchdünn, meist zwischen 0,2 und 0,4 Millimetern.
- Die Entnahmestelle: Diese ähnelt nach der Operation einer Schürfwunde und heilt in der Regel innerhalb von 10 bis 14 Tagen von selbst ab.
4. Bearbeitung (Mesh-Graft-Verfahren)
Um eine größere Fläche decken zu können, wird die entnommene Haut oft “gemesht”:
- Die Haut wird durch eine Maschine geführt, die ein regelmäßiges Gittermuster aus kleinen Schnitten hineinstanzt.
- Dadurch lässt sich die Haut wie eine Ziehharmonika auf das 1,5- bis 3-fache ihrer Fläche ausdehnen.
- Ein positiver Nebeneffekt: Wundsekret kann durch die Löcher abfließen und hebt das Transplantat nicht an.
5. Transplantation und Fixierung
Die Haut wird auf den Defekt aufgelegt und fixiert. Dies geschieht durch:
- Feinste Nähte,
- Hautklammern (Stapler) oder
- Speziellen Gewebekleber. Häufig wird ein Vakuumverband (VAC) angelegt, der die Haut gleichmäßig an den Untergrund presst und die Heilung beschleunigt.
6. Einheilungsphase
Dieser Prozess verläuft in drei Schritten:
- Plasmatische Imbibition (Tag 1-2): Das Transplantat “saugt” Nährstoffe aus dem Wundgrund auf wie ein Schwamm.
- Inosculation (Tag 3-5): Die Gefäße der Wunde verbinden sich mit den Gefäßen der Spalthaut.
- Revaskularisation: Die Durchblutung ist stabilisiert, die Haut wird wieder rosa.
Zusammenfassung der Vor- und Nachteile
| Vorteil | Nachteil |
| Deckung sehr großer Flächen möglich | Geringere mechanische Belastbarkeit als Vollhaut |
| Heilung der Entnahmestelle von selbst | Neigt zur Schrumpfung (Kontraktion) |
| Hohe Anwachsrate | Ästhetisch oft weniger ansprechend (Netzstruktur) |
Wichtiger Hinweis: Nach der Heilung benötigt die transplantierte Stelle dauerhafte Pflege (Rückfettung), da Schweiß- und Talgdrüsen bei der Spalttransplantation meist nicht mit übertragen werden.