Lyuta ließ niemanden herein. Und dann tauchte ein schwarzes Kätzchen im Hof ​​auf.

Die Luft im Hof war bereits kühl, als der Nebel langsam zwischen den alten Holzbalken der Scheune aufstieg. Lyuta stand am Küchenfenster, die Tasse mit heißem Kräutertee fest in beiden Händen, und blickte hinaus auf den verlassenen Hof. Sie mochte die Stille. Seit dem Tag, an dem sie beschlossen hatte, das schwere Eichentor zur Straße hin abzuriegeln, kam niemand mehr unangemeldet vorbei. Keine Nachbarn mit neugierigen Fragen, keine Händler, kein Besuch. Sie brauchte niemanden. Ihre Welt war klein, überschaubar und vor allem: sicher vor Enttäuschungen.

Doch an diesem späten Nachmittag durchbrach ein feines, fast lautloses Geräusch die gewohnte Ruhe.

Es war ein hohes, zartes Miau.

Lyuta erstarrte. Sie stellte die Tasse auf die Fensterbank und trat einen Schritt näher an die Scheibe. Am Fuß des alten Stapels Brennholz, halb verborgen hinter einem Stapel verwitterter Paletten, bewegte sich etwas. Ein winziger, pechschwarzer Schatten löste sich aus dem Holzstoß.

Es war ein Kätzchen. Nicht größer als eine Handvoll Dunkelheit, mit einem Fell so schwarz wie die Septembernacht und zwei riesigen, leuchtend grünen Augen, die unerschrocken direkt zu ihrem Fenster hinaufblickten.

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Lyuta zog die Stirn in Falten. Normalerweise verjagte sie streunende Tiere rasch von ihrem Grundstück. Sie wollte keine Verantwortung, keine Bindung und schon gar keine Unruhe. Sie ging zur Tür, schob den schweren Eisenriegel zur Seite und trat auf die Holzveranda.

„Verschwinde“, sagte sie mit fester, ruhiger Stimme. „Hier gibt es nichts für dich.“

Das Kätzchen dachte gar nicht daran zu weichen. Stattdessen hob es das spitze Schwänzchen, streckte die schmalen Beine und tapste mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit die knarzenden Stufen der Veranda hinauf. Kurz vor Lyutas abgetretenen Lederstiefeln blieb es stehen, setzte sich hin und blickte sie erwartungsvoll an. Ein leises Schnurren begann in der winzigen Brust zu vibrieren – so laut und kraftvoll, dass es gar nicht zu dem zarten Körper passen wollte.

Lyuta verschränkte die Arme vor der Brust und sah hinab. Jahrelang hatte sie Mauern um sich herum aufgebaut, die hoch und dick genug waren, um jeden Menschen draußen zu halten. Aber gegen eine Kreatur, die ohne jede Scheu, ohne Vorurteile und mit bedinglosem Vertrauen einfach vor ihren Füßen saß, hatte sie keine Verteidigung vorbereitet.

Sie seufzte, beugte sich langsam nach unten und streckte vorsichtig einen Finger aus. Das schwarze Kätzchen drückte sein köpfchen sofort sanft gegen ihre Handfläche.

Die Tür zum Haus stand immer noch offen. Und zum ersten Mal seit vielen Jahren spürte Lyuta, dass es vielleicht gar nicht so schlecht war, ein kleines Stück davon aufgelassen zu lassen.

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