Ich entdeckte das Geheimnis der schwedischen Langlebigkeit bis 90 und übernahm diese Gewohnheiten sofort für meine Eltern und mich.

Schweden ist seit Langem weltweit bekannt, nicht nur für seine Naturschönheit und seinen hohen Lebensstandard, sondern auch für die beneidenswerte Lebenserwartung seiner Einwohner.

Als ich nach Stockholm reiste, machte ich es mir zur Aufgabe, herauszufinden, welche Gewohnheiten den Schweden helfen, auch im hohen Alter gesund, energiegeladen und aktiv zu bleiben.

Es stellte sich heraus, dass es keine komplizierten oder unzugänglichen Geheimnisse gibt. Alles basiert auf einfachen, aber wichtigen Prinzipien, die fester Bestandteil ihres Alltags geworden sind. Die Schweden halten sich nicht aufgrund von Trends oder äußerem Druck daran, sondern weil es ihrer Lebensweise entspricht.

Im Folgenden finden Sie vier wichtige Gewohnheiten, die den Schweden helfen, viele Jahre lang energiegeladen und gesund zu bleiben.

  1. Regelmäßige körperliche Aktivität
    In Schweden ist Bewegung nicht nur eine Empfehlung, sondern ein natürlicher Bestandteil des Lebens. Laufen, Radfahren, Skifahren, Schwimmen, Wandern und Nordic Walking sind hier sehr beliebt. Darüber hinaus bleiben die Menschen das ganze Jahr über aktiv, unabhängig von der Jahreszeit.

Auf meinen Reisen durch Europa begegnete ich oft älteren Schweden in den Bergen, die mit Rucksäcken und Ausrüstung zu Wanderungen bereitstanden.

>

In Städten wie Stockholm und Göteborg sieht man Rentner, die zum Einkaufen joggen oder Rad fahren, während junge Leute oft lieber mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren als mit dem Auto.

Für sie ist Bewegung der Inbegriff von Leben. Im Alltag ist Spazierengehen, insbesondere unter älteren Menschen, jedoch weniger verbreitet, und ältere Menschen auf Fahrrädern sind eine Seltenheit. Das liegt zum Teil am Klima und der Infrastruktur, aber auch Gewohnheit spielt eine wichtige Rolle.

Viele ältere Menschen verbringen ihre Zeit in der Datscha oder im Garten. Diese Art von Aktivität belastet jedoch oft Rücken und Gelenke und bietet nicht genügend Vorteile für das Herz-Kreislauf-System.

Ich beschloss, diesen Ansatz zu ändern – angefangen bei mir selbst, indem ich meine Angehörigen zu regelmäßigen Spaziergängen und Nordic Walking animierte, damit ihnen körperliche Aktivität wirklich guttut.

  1. Work-Life-Balance
    Schweden trennen klar zwischen Arbeit und Freizeit. Sie schätzen ihre Freizeit und versuchen, unnötige Arbeit zu vermeiden. Flexible Arbeitszeiten, lange Urlaubszeiten und staatliche Unterstützung helfen ihnen, ständigen Stress zu vermeiden.

Als Touristin habe ich die Kehrseite dieser Medaille erlebt: In Stockholm schließen viele Geschäfte um 18 Uhr, und am Wochenende sind sie oft gar nicht geöffnet. Für die Einheimischen hingegen ist das eine Gelegenheit, Zeit mit der Familie zu verbringen, statt zu arbeiten.

Unsere Kultur ist anders: Geschäfte und Dienstleistungen sind fast rund um die Uhr geöffnet, und Überstunden sowie Wochenendarbeit gelten als normal.

Die Folge sind Erschöpfung und zu wenig Zeit für Familie, Freizeit und Hobbys. Nach meiner Reise beschloss ich, meinen Umgang mit Zeit zu überdenken und meine Energie bewusster einzuteilen.

  1. Ein achtsamer Umgang mit Gesundheit
    In Schweden wird großer Wert auf Prävention gelegt. Die Menschen warten nicht, bis eine Krankheit ausbricht, sondern gehen regelmäßig zur Vorsorge, inklusive zusätzlicher, kostenpflichtiger Untersuchungen, um Probleme frühzeitig zu erkennen.

Der Schlüssel liegt in einem bewussten Umgang mit der eigenen Gesundheit. Wir haben zwar die Möglichkeit, uns kostenlos untersuchen zu lassen, aber viele nutzen dieses Angebot nicht.

Schweden hingegen betrachten Gesundheit als ein wertvolles Gut, das ständig gepflegt werden sollte.

Nach meiner Reise wurde mir bewusst, wie wichtig es ist, meine Gewohnheiten zu ändern: Arztbesuche nicht aufzuschieben und die verfügbaren Diagnosemöglichkeiten zu nutzen.

  1. Die Philosophie des „Lagom“ und die Fähigkeit, das Leben zu genießen
    In der schwedischen Kultur gibt es das Konzept des „Lagom“, das Mäßigung in allen Bereichen bedeutet: Ernährung, Ausgaben und Konsum. Es ist die Fähigkeit, im Rahmen seiner Möglichkeiten zu leben, ohne nach Überfluss zu streben und das zu schätzen, was man bereits hat.

Obwohl „Lagom“ manchmal als Stereotyp wahrgenommen wird, halten sich in der Praxis viele Schweden, insbesondere ältere, an dieses Prinzip.

Sie schieben das Genießen des Lebens nicht auf, jagen nicht ständig der Karriere hinterher und messen Erfolg nicht allein am Geld. Diese Einstellung reduziert Stress und verleiht dem Leben mehr Sinn.

Diese Philosophie hat mich sehr angesprochen. Im Streben nach dem „perfekten Leben“ übersieht man leicht die kleinen Freuden des Lebens. Ich versuche nun, den gegenwärtigen Moment bewusster wahrzunehmen und diese Erkenntnis mit meinen Lieben zu teilen.

Ergebnis: Schon wenige dieser Gewohnheiten – regelmäßige Bewegung, ein gesundes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit, ein achtsamer Umgang mit der eigenen Gesundheit und Mäßigung im Alltag – können die Lebensqualität deutlich verbessern.

Ein gesunder Lebensstil ist keine vorübergehende Maßnahme oder Einschränkung, sondern eine Investition in die Zukunft. Und vielleicht ist es genau dieser Ansatz, der den Schweden hilft, ihre Gesundheit und Vitalität über viele Jahre hinweg zu bewahren.

Leave a Comment